Abenteuer: Camino Portugues

Heute ist es genau 4 Wochen her, als wir in Santiago de Compostela angekommen sind und mit Hunderten anderen Pilgern unsere Reise beendet haben.

Im September bin ich mit meinem Bruder und meinem Vati den portugiesischen Jakobsweg von Porto nach Santiago de Compostela gelaufen.

12 Tage, 240 Kilometer und jeweils 12 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken.

Das ist eine Hausnummer. Man sollte dazu sagen, dass wir alle keinerlei Wandererfahrung hatten, geschweige denn die Ausrüstung oder die entsprechenden Sprachkenntnisse. Hinzu kam meine Lebensmittelunverträglichkeit, die zu diesem Zeitpunkt noch recht akut war und die Symptome gerade erst am Abklingen. Deshalb war die oberste Priorität: sich nicht stressen lassen und vor allem ganz auf mein Körper zu hören.

Ich könnte hier wahrscheinlich eine ganze Beitragsreihe zum portugiesischen Jakobsweg verfassen. Angefangen von unserer Route über das Equipment, der wundervollen Landschaft bis hin zu den Dingen, die wir beim nächsten Mal lieber anders machen würden. Doch das sprengt hier das Format. Natürlich dürft ihr euch bei mir per Mail oder in den Kommentaren melden, wenn ihr ganz konkrete Fragen habt. Ich antworte euch liebend gern. 😉

Meine Eindrücke & Erkenntnisse

Ich möchte euch viel lieber paar Impressionen von der wundervollen Landschaft geben. Euch zeigen, wie schön es sein kann, sich zu reduzieren und mal einen Gang runter zu schalten.

Ich muss ganz ehrlich sein. Ich hatte mich die Wochen vor dem Jakobsweg sehr hetzen lassen und mich enorm selbst unter Druck gesetzt, beruflich wie privat. Hinzu kam noch der Ärger mit meiner Ernährung, was im Endeffekt ja nur ein Alarmzeichen meines Körpers war. Es stand das Thema der Achtsamkeit also schon viel zu lange im Raum und wollte nun endlich beachtet werden. Das war tatsächlich eines meiner größten Learnings des Weges.

Der Weg ist das Ziel.

Es klingt natürlich abgedroschen, doch hier habe ich erfahren, was diese Phrase tatsächlich bedeutet. Ich durfte lernen, dass es nicht darauf ankommt, um eine bestimmte Zeit an einen bestimmten Ort anzukommen und das am besten noch mit einem konkreten Ziel dahinter. Nein, das ist völlig egal. Wichtig ist die Reise dorthin. Die verborgenen Wege und die Schönheit unterwegs, die Begegnungen und die Gespräche. Zum einen trifft das direkt 1:1 auf unsere Reise zu.

Es lässt sich aber auch hervorragend auf das Leben übertragen. Natürlich möchten wir alle irgendwann irgendwo ankommen, keine Frage. Doch wäre unser Alltag nicht viel schöner und leichter, wenn wir die Momente im Jetzt (also den Weg) genießen könnten. Wenn wir den Weg zur Arbeit uns mit einem Podcast versüßen oder die Natur um uns herum wahrnehmen anstatt mit den Gedanken schon bei der Arbeit zu sein. Oder den Kaffee mit der Kollegin in der Herbstsonne trinken anstatt über die neue Praktikantin zu lästern. Den Prozess genießen lernen, das ist ganz entscheidend.

Es sind die kleinen Dinge, die uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Wir hatten einige Herausforderungen auf unserem Weg. Angefangen von 3 langen Regentagen, wo wir bis auf den Schlüpfi durchnässt waren, keine Möglichkeit unsere Sachen und Schuhe zu trocknen, über ein storniertes Hotel bis hin zu Stromausfall und einem Gemeinschaftsbad im Hostel. Alles an einem Tag, wohlgemerkt. Das sind Dinge, wo ich zuhause ganz wahrscheinlich die Nerven verloren hätte. Auf dem Jakobsweg, war es eben so. Ich habe es akzeptiert und mich über den warmen Tee im Hostel und meine Gesellschaft gefreut.

Ja, es sind die kleinen Dinge, die uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern können.

Was mich besonders berührt hat, war die Freude und die Leichtigkeit, die uns auf dem Weg begleitet hat. Wir sind ganz lieben Menschen begegnet, alle ein Lächeln auf den Lippen und so viel Gastfreundschaft von völlig Fremden. Etwas, was im Alltag irgendwie zur Mangelware verkommen ist. Ich habe mir fest vorgenommen, jeden Tag mindestens einem Menschen ein Kompliment zu machen, einfach weil es so herrlich ansteckend ist und ein wohliges Gefühl hinterlässt. Bei mir und meinem Gegenüber. (Bis jetzt klappt es. 😉 )

Fazit

Das Wandern ist eine völlig andere Art ein Land zu bereisen, was neben der reinen körperlichen Betätigung, viele Vorteile birgt. Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht mühselig wirkt, ich möchte die Erfahrung nicht missen und würde mich sofort wieder auf die Reise begeben.

Man kommt wieder bei sich selbst an, lernt das Wesentliche zu schätzen und wird sich erstmal seinen eigenen Überfluss bewusst. Zudem hat man wieder Zeit.

Zeit zum Entdecken. Zeit zum Staunen und Zeit zum Lernen.

Wann machen wir das noch?

 

2 Kommentare

  1. Du beschreibst auf eine wundervolle Art, dass wir uns alle wieder auf die kleinen Dinge im Leben freuen sollten. Nicht die teuere Hose, nicht das 10. Paar Schuhe… sondern der Umgang mit den kleinen Dingen. Danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu